Dieses helle Gebäude auf dem Amtsberg hat Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen angezogen: zur Erledigung von Gerichtsangelegenheiten, zum Schulunterricht und heute zu einem Museumsbesuch.
Der Bau stammt aus dem Jahr 1848. Seine verputzte Fassade, die betonte Mitte und die klare Gliederung gehören zur klassizistischen Architektur. Errichtet wurde er als Gerichtsgebäude an einem geschichtsträchtigen Ort: Auf dem Amtsberg hatten zuvor bereits eine Burg und später ein Schloss gestanden.
Aus der Gerichtszeit ist ein schönes Wortspiel überliefert. Hier wohnten die Richter Renn und Tabel. Zusammengesprochen ergaben ihre Namen „Renn-Tabel“ – und so sprach man in Wittenburg von einem besonders „rentablen“ Amtsgericht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte zunächst die sowjetische Kommandantur das Haus. Ab 1950 wurde hier unterrichtet, zuerst in einer Berufsschule, später in der Grundschule. Wer hier als Kind zur Schule ging, verbindet mit diesem Gebäude also eine ganz andere Geschichte als ein heutiger Museumsbesucher.
Ein neues Kapitel begann 2008. Nach Umbau und Sanierung öffnete hier das MehlWelten Museum. Bei der feierlichen Eröffnung am 10. Juni durchschnitten der Unternehmer Volkmar Wywiol und der damalige Ministerpräsident Harald Ringstorff gemeinsam das Band.
Die Vorgeschichte dieses Museums führt uns allerdings weit weg von Mecklenburg: an einen Strand in Dubai. Dort fand Volkmar Wywiol 1998 einen angeschwemmten, leeren Mehlsack. Die Gestaltung der Verpackung weckte sein Interesse. Aus diesem einen Fund entstand eine Sammlung, zu der später Kunden und Mitarbeiter seines Unternehmens Mühlenchemie Säcke aus vielen Ländern beitrugen. Ein Gegenstand, an dem andere vielleicht vorbeigegangen wären, wurde so zum Ausgangspunkt eines ganzen Museums.
Sein Herzstück trägt den passenden Namen „Sackothek“. Nach Angaben des Museums gehören mehr als 3.600 Mehlsäcke aus über 140 Ländern zur Sammlung, die es als größte ihrer Art weltweit bezeichnet. Die Säcke sind nach den englischen Ländernamen geordnet. Man kann hier also gewissermaßen eine Weltreise durch die Verpackungen eines alltäglichen Lebensmittels unternehmen.
Dabei erzählen die Bilder auf den Säcken erstaunlich viel. Natürlich finden sich Ähren, Mühlen und Bäcker. Es gibt aber auch Löwen, Drachen, Muskelmänner und Lokomotiven. Das Museum erklärt, welche Vorstellungen von Kraft, Qualität, Tradition oder göttlichem Segen hinter solchen Motiven stehen. Eine Mehlverpackung kann damit etwas über die Menschen verraten, die sie gestaltet, verkauft und benutzt haben.
Wer das Museum besucht, begegnet deshalb neben den Säcken auch der Geschichte von Getreide, Ernährung und menschlicher Kultur. Das alte Schulhaus ist damit weiterhin ein Ort, an dem man etwas lernen kann.
STATION 06 · Baukunst & Kultur
Altes Amtsgericht · MehlWelten Museum
Ein „rentables“ Gericht, eine Schule und ein Strandfund: ungewöhnliche Geschichten hinter der hellen Fassade.
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Kurze Ansage · Station 06Allgemeiner Text
Die Geschichte des OrtesAmtsgericht allgemein
Stimme / Aufnahme: Fola
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ZUM LESEN & ENTDECKEN
Ein Blick in die Geschichte.
Hier sehen Sie das ehemalige Amtsgericht von Wittenburg, heute das MehlWelten Museum. Das helle Gebäude auf dem Amtsberg verbindet zwei Geschichten, die zunächst kaum zusammenzupassen scheinen: Rechtsprechung und Mehlsäcke.
Der Bau entstand achtzehnhundertachtundvierzig auf den Grundmauern eines älteren Schlosses. Die klar gegliederte Fassade gehört zur klassizistisch geprägten Architektur. Ein verlässlich belegter Name des ursprünglichen Architekten liegt für diesen Beitrag noch nicht vor.
Eine kleine Sprachspielerei aus der Gerichtszeit ist dagegen überliefert. Zwischen neunzehnhundertdreißig und neunzehnhundertvierundvierzig wohnten hier die Familien der Amtsgerichtsräte Renn und Tabel. Aus den beiden Namen wurde im örtlichen Sprachgebrauch das „rentable“ Amtsgericht – ein Wortspiel, keine Auskunft über die Einnahmen des Hauses.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die sowjetische Kommandantur das Gebäude. Ab neunzehnhundertfünfzig wurde hier unterrichtet, zunächst in einer Berufsschule, später in einer Grundschule und schließlich in einer Außenstelle des Gymnasiums. Viele Wittenburger verbinden mit diesem Haus deshalb ganz persönliche Schulgeschichten.
Die Idee zur heutigen Sammlung begann weit entfernt. Neunzehnhundertachtundneunzig fand der Unternehmer Volkmar Wywiol an einem Strand in Dubai einen leeren Mehlsack. Der Fund weckte sein Interesse an diesen scheinbar alltäglichen Verpackungen. Nach und nach entstand eine Sammlung aus vielen Ländern, unterstützt durch Einsendungen von Kunden und Mitarbeitern.
Warum sollte man Mehlsäcke sammeln? Weil ihre Bilder weit mehr erzählen als den Inhalt: Sie werben mit Tieren, Menschen, Landschaften und Symbolen. Die Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin Angela Jannelli beschäftigte sich mit der Bedeutung dieser Motive. Aus einer Verpackung wird so ein kleines Fenster zu einer anderen Kultur.
Betrachten Sie das Gebäude noch einmal. Hinter derselben Fassade wurde Recht gesprochen, gelehrt und gesammelt. Ein Haus kann mehrere Leben haben. Bitte prüfen Sie die aktuellen Besuchsmöglichkeiten direkt beim Museum.
Der Bau entstand achtzehnhundertachtundvierzig auf den Grundmauern eines älteren Schlosses. Die klar gegliederte Fassade gehört zur klassizistisch geprägten Architektur. Ein verlässlich belegter Name des ursprünglichen Architekten liegt für diesen Beitrag noch nicht vor.
Eine kleine Sprachspielerei aus der Gerichtszeit ist dagegen überliefert. Zwischen neunzehnhundertdreißig und neunzehnhundertvierundvierzig wohnten hier die Familien der Amtsgerichtsräte Renn und Tabel. Aus den beiden Namen wurde im örtlichen Sprachgebrauch das „rentable“ Amtsgericht – ein Wortspiel, keine Auskunft über die Einnahmen des Hauses.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die sowjetische Kommandantur das Gebäude. Ab neunzehnhundertfünfzig wurde hier unterrichtet, zunächst in einer Berufsschule, später in einer Grundschule und schließlich in einer Außenstelle des Gymnasiums. Viele Wittenburger verbinden mit diesem Haus deshalb ganz persönliche Schulgeschichten.
Die Idee zur heutigen Sammlung begann weit entfernt. Neunzehnhundertachtundneunzig fand der Unternehmer Volkmar Wywiol an einem Strand in Dubai einen leeren Mehlsack. Der Fund weckte sein Interesse an diesen scheinbar alltäglichen Verpackungen. Nach und nach entstand eine Sammlung aus vielen Ländern, unterstützt durch Einsendungen von Kunden und Mitarbeitern.
Warum sollte man Mehlsäcke sammeln? Weil ihre Bilder weit mehr erzählen als den Inhalt: Sie werben mit Tieren, Menschen, Landschaften und Symbolen. Die Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin Angela Jannelli beschäftigte sich mit der Bedeutung dieser Motive. Aus einer Verpackung wird so ein kleines Fenster zu einer anderen Kultur.
Betrachten Sie das Gebäude noch einmal. Hinter derselben Fassade wurde Recht gesprochen, gelehrt und gesammelt. Ein Haus kann mehrere Leben haben. Bitte prüfen Sie die aktuellen Besuchsmöglichkeiten direkt beim Museum.
Quellen & Bildnachweise
- Standort Wittenburg: vom Amtsgerichtsgebäude zum Museum · MehlWelten Museum
- Vom Strandgut zum Kunstobjekt – die Mehlsacksammlung · MehlWelten Museum
- Bildquelle: Germany._Wittenburg_011.jpg · Albertyanks
Ehemaliges Amtsgericht links und Amtsbergturm rechts; Aufnahme 2013. - Bildlizenz: CC0 1.0 · verkleinerte Webfassungen; Bildausschnitt in Kartenansichten · Creative Commons
Gilt für das Foto Germany._Wittenburg_011.jpg. - Altes Amtsgericht · MehlWelten Museum – Außenansicht · Albertyanks · CC0 1.0 · verkleinerte Webfassungen; Bildausschnitt in Kartenansichten